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Wie der Wunsch nach Karriere unsere Beziehungen beeinflusst.

In unserer Gesellschaft gibt es oft den Glauben, dass Erfolg im Beruf und damit finanzielle Absicherung die Schlüssel zu einem erfüllten Leben sind. Kinder bekommen das bereits in der Schule beigebracht, indem zum Beispiel die Bewertung ihrer Leistungen durch Noten zu einer Überzeugung im Unterbewusstsein führen kann, die später oft erst erkannt wird, wenn die sozialen Beziehungen bereits leiden.


Spätestens an diesem Punkt wird vielen klar, dass sie einer Illusion hinterher gelaufen sind, die ihre Liebesbeziehung und auch Beziehungen zu anderen wichtigen Menschen stark gefährdet hat. Zudem kommt es an der Stelle nicht selten zu einem Gefühl in einem Burn-Out festzustecken und den Ausgang nicht mehr zu finden.


Was ist geschehen und wie überwindet man diese Sackgasse?


Der Mensch braucht nachweislich zwei Dinge, um glücklich sein zu können:

  1. Bindung

  2. Wachstum

Letzteres wird durch den Karrieregedanken oft unterstützt und so ist es selten das, was ein Karriere bewusster Mensch vermisst. Ersteres hingegen ist in der Regel früh gestört worden.


Schauen wir wieder in das Beispiel mit den guten und "schlechten" Noten in der Schule:


Ein Kind hat von Natur aus eine tiefe Bindung zu seinen Eltern, Geschwistern und anderen Bezugspersonen, die auch durchaus Lehrer und Mitschüler in der Schule sein können. Grundsätzlich hat jedes Baby die Überzeugung, absolut perfekt und gut zu sein, wenn es in die Welt kommt. Auch geht das Kind immer davon aus, dass es so geliebt wird, das es alles bekommt, was es zum Leben braucht. Doch dann trifft es auf äußere Umstände, die ihm eine andere Rückmeldung geben, als das, was es bereits über sich annimmt. So leben Eltern und Lehrer nicht selten vor, dass das Leben kompliziert sei und Geld verdienen eine zentrale Rolle im Leben einnimmt. Dies führt bei einem Kind zu ersten Ängsten, nicht so richtig zu sein, so wie es ist, weil es irgendwie nicht reinpasst. Und das kann zu einer Angst führen, ausgestossen zu werden, nicht dazuzugehören, was die Bindungsfähigkeit zu seinen Mitmenschen belastet. Kleine Kinder sind alleine nicht überlebensfähig. Sie werden immer alles tun, um ihr Überleben zu sichern, indem sie sich in die Gruppe einfügen. Das nennen wir Anpassung.


Bekommt ein Kind das Gefühl, dass es nur gut genug ist, wenn es die besten Noten mit nach Hause bringt, verliert das Kind nach und nach den Bezug zu seiner eigenen Einstellung zum Leben, die normalerweise nichts mit Noten oder Bewertungen zu tun hat.

Bekommt das Kind nun mehr und mehr positive Aufmerksamkeit wenn es mehr gute Noten als "schlechte" bringt, so verstärkt sich mit jedem Mal die Motivation, dies zu wiederholen. So erhält das Kind die, ihm so wichtige, Bindung zu seinen Mitmenschen aufrecht.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Bindung des Kindes zu den Eltern, Mitschülern und Lehrern gestört wird, sobald das Kind beschließt, nicht die erwartete Leistung zu erbringen. Somit ist jedes Kind hier in der Zwickmühle. Entweder ich bringe die Leistung und erhalte dafür soziale Bindungen, oder ich werde nicht akzeptiert und verliere meine Bindungen. Das alles geschieht völlig unbewusst.


Da die Bindung zu verlieren für ein abhängiges Kind unerträglich ist, werden sich die meisten Kinder entscheiden, alles erdenkliche zu tun, um in die Gruppe, die Gesellschaft oder einfach zu den Eltern zu passen, und alle Leistungen, so gut es eben geht, zu erbringen. Erst mit der Pubertät wendet sich hier bei manchen das Blatt, weil dann die Chance, ohne die Eltern zu überleben, steigt. Hier versuchen manche Kinder noch aus dem vorgelebten System auszubrechen. Die meisten anderen haben sich in den Jahren zuvor so an die vorgelebte Lebensweise gewöhnt, dass sie nun perfekt reinpassen und die Karriere sowie das Geldverdienen als Lebenszweck akzeptieren.


Wenn der Wunsch nach einer erfolgreichen Karriere und Reichtum zum alleinigen Lebensinhalt wird und Beziehungen in den Hintergrund treten, ist die Balance im Leben gefährdet, da es vor allem soziale Bindung ist, die uns gut fühlen lässt. Jedoch kann ein Mensch sich auch an andere Dinge binden und so eine Art Liebe verspüren, was jedoch niemals die Liebe zwischen Menschen ersetzen kann. So kann sich dieser Mensch, statt an andere Menschen, auch an Geld, Karriere oder andere materielle Dinge binden. Dies ist nicht selten der Grund für den unstillbaren Wunsch nach Reichtum und Status.


Die Konsequenzen dieses Wunsches können sehr unterschiedlich ausfallen. Zum Beispiel kann es sein, dass man sich in einer Beziehung unwohl fühlt, wenn der Partner oder die Partnerin nicht das gleiche Maß an Erfolg und Reichtum erreicht hat oder dies gar nicht anstrebt. Im Grunde legt der Partner hier unbewusst den Finger in die Wunde.

Auch kann der Karrieredruck, der in der Regel nur aus einem selbst kommt, dazu führen, dass man weniger Zeit für Beziehungen aufbringt und diese dadurch vernachlässigt, was ebenfalls zu Konflikten führen kann.

Zudem kann die Fixierung auf die Karriere dazu führen, dass man sich auf Kosten anderer bereichert oder unethische Entscheidungen trifft.


Wenn man das Gefühl hat, dass der Partner oder die Partnerin nur wegen des Erfolgs mit einem zusammen ist, kann das sehr belastend sein und die Beziehung auf Dauer zerstören. Jedoch ist hier immer wichtig, zu schauen, ob nur man selbst daran glaubt und damit dem Partner oder der Partnerin schlussendlich Unrecht tut. Dies ist nicht selten der Fall, wenn bereits viel Reichtum in die Partnerschaft eingebracht wurde und dieser unterbewusst verteidigt werden muss, weil es der Ersatz für Liebe ist. Nicht selten ist die Partnerschaft dann auch nur eine Nebensache und der Besitz steht über allem.


Doch wie kann man dem entgegenwirken?


Ein erster Schritt ist es, sich bewusst zu machen, dass die Karriere nicht das Einzige ist, was das Leben ausmacht. Auch wenn man seine Arbeit liebt, was im Grunde eine sehr positive Einstellung ist, ist es absolut unabdingbar, sich auch auf private Beziehungen zu konzentrieren und diese aktiv zu pflegen.

Hier können feste Termine mit Freunden und Familie helfen, bei denen das Arbeitshandy aus bleibt und man sich ganz und gar auf sein Gegenüber konzentriert. Das sorgt für mehr Zeit mit geliebten Menschen und damit für mehr Ausgleich. Vor allem kann es angeschlagene Beziehungen wieder ins Gleichgewicht bringen. Insbesondere sollte man sich fragen, wieviel Interesse man eigentlich an dem hat, was die Menschen im eigenen Umfeld zu berichten haben. Ist man hier noch aufmerksamer Zuhörer oder fühlt es sich sinnlos und nach Zeitverschwendung an? Wenn Letzteres der Fall ist, kann das ein Hinweis sein, dass man innerlich bereits eine rote Linie überschritten hat und die Bindung zu anderen so geschwächt ist, dass man sie mit Dingen verknüpfen musste, um sich weiterhin gut und stabil zu fühlen. Auch ist das unterbewusste Verteidigen des eigenen Besitzes ein klarer Marker für ein überzogenes Anhaften an Dingen statt an menschlichen Beziehungen.


Sich darauf zu besinnen, was einem wirklich wichtig ist und was man in einer Beziehung schätzt, ist der erste Schritt, wieder aus einer einseitigen Lebensführung herauszutreten. Eine offene Kommunikation mit dem Partner oder der Partnerin über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse kann helfen, Missverständnisse zu vermeiden oder alte Verletzungen aus dem Weg zu räumen. Insbesondere die Überwindung von angestaubten Überzeugungen, die man unbewusst als Kind aufgeschnappt hat und bis heute einfach danach lebt, ist wichtig, um innerlich wieder auf den eigenen Weg zurückzukehren.


Für Singles kann es auch hilfreich sein, einen ersten Ausgleich zur Karriere zu suchen, zum Beispiel durch Hobbys oder Sport. Insbesondere dann, wenn dadurch der Kontakt zu anderen Menschen im Vordergrund steht und somit die Isolation beendet werden kann. So kann man sich Zeit für sich selbst nehmen und den Fokus weg von der Arbeit und To-Do Listen lenken, und gleichzeitig Schritt für Schritt wieder soziale Kontakte aufbauen.


Eine erfolgreiche Karriere ist zwar wichtig, sollte aber nicht das eigene Wertesystem und die Beziehungen zu anderen Menschen beeinträchtigen. Deshalb ist es unabdingbar, sich des Wertes einer sozialen Beziehung bewusst zu werden und diese deutlich höher zu bewerten als die eigene Karriere. Das verhindert gleichzeitig, unethische Entscheidungen zu treffen, die sich später wie ein Bumerang im eigenen Leben auswirken können.


Insgesamt lässt sich sagen, dass der Wunsch nach Reichtum und Erfolg nicht per se schlecht ist. Doch wenn er zum alleinigen Lebensinhalt wird und Beziehungen vernachlässigt werden, kann das zu Konflikten führen, die dann das Gefühl der Bindung noch mehr beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Karriere nicht das Einzige im Leben ist und dass auch Beziehungen und persönliches Glück von Bedeutung sind. Denn nur wenn Bindung und Wachstum in einem ausgeglichenen Verhältnis stehen, können wir glücklich sein.



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